Jan 30, 2019

„Dem Neuen eine Chance geben“

Ralph Linde, Leiter der Volkswagen Group Academy, über „personelle Transformation“ und Unternehmenskultur im Zeichen der Digitalisierung

Ralph Linde leitet seit 2013 die Volkswagen Group Academy, die Dachorganisation für Bildungs­aktivitäten im Konzern. Volkswagen ist ein Partner der Technology Academy seit ihren ersten Anfängen, damals noch als Robotation Academy. Heute ist der Volkswagen Campus Digitalisierung dauerhaft auf dem Messegelände präsent.

Herr Linde, immer wieder wird gesagt, die Mitarbeiter sollen offen sein für neue ­Aufgaben. Warum?

Die Digitalisierung in unserer Branche verändert die Arbeitswelt. Neue Technologien haben das auch schon früher getan, nur geschieht es heute schneller und in größerem Ausmaß. Die meisten Facharbeiter­berufe werden sich durch die Digitalisierung verändern, und auch die Arbeit im Büro wird davon betroffen sein. Das Wissen dafür werden wir, wie bisher auch, mit fachlicher Weiterbildung aufbauen. Aber es wird auch Tätigkeiten geben, die weg­fallen. Im Zukunftspakt ist vereinbart, dass Mitarbeiter, die solche Tätigkeiten aus­üben, für neue Aufgaben in Zukunfts­bereichen qualifiziert werden. Das ist gemeint, wenn wir von personeller ­Transformation sprechen. Und für diese neuen Aufgaben braucht es Offenheit und Lernbereitschaft.

Wir werden ­die Menschen auf dem Weg der Veränderung ­begleiten.

Trotzdem haben einige Menschen Angst vor Veränderungen.

Das ist verständlich, aber die Veränderungen kommen nicht über Nacht. Wir werden die Menschen auf dem Weg begleiten. Sie bekommen Zeit, sich mit dem Wandel zu verändern, allerdings nicht ewig. Sie müssen dem Neuen eine Chance geben — und die Chancen nutzen. Das heißt, offen für Veränderungen sein, und sich darauf freuen, etwas Neues zu lernen. Mit dieser Haltung kann jeder seinen Teil dazu beitragen, dass die Marke Volkswagen eine gute Zukunft hat.

Wie verändern sich Weiterbildung und Qualifizierung hat durch die Digitalisierung?

Die Digitalisierung betrifft auch unsere Bildungsarbeit. Wir entwickeln zunehmend digitale Inhalte und Formate, beispielsweise Online-Seminare. Um neue Konzepte für das Lernen und Lehren umzusetzen, haben wir zudem in Wolfsburg ein Education Lab als Ideenschmiede gegründet. Wir erproben gerade, mit Virtual-Reality-Brillen von Wolfsburg aus Mitarbeiter in aller Welt im Bedienen von Robotern zu schulen. Und ich werde nicht müde zu betonen, dass die Digitalisierung nicht nur Auswirkungen auf die technischen Kompetenzen hat. Der erfolgreiche Umgang mit der Digitalisierung braucht auch soziale Kompetenzen. Er verändert unsere Art und Weise zusammenzuarbeiten, und damit müssen wir vor allem unsere Unternehmenskultur verändern. Deshalb haben wir viele Initiativen gestartet, um eine Kultur zu schaffen, die erfolgreiche digitalisierte Arbeit erst möglich macht.

 Für erfolg­reiche Digita­lisierung braucht man ­auch soziale Kompe­tenzen.

Experten sagen schon seit Jahren, dass Arbeitnehmer lebenslang lernen müssen. Gilt diese Weisheit heute in der Auto-Industrie mit all ihren Veränderungen umso mehr?

Auf jeden Fall! Ein Umbruch in dieser Geschwindigkeit sowohl im technischen als auch im sozialen Bereich ist außergewöhnlich. Betrachten Sie nur die Halbwertzeit von Wissen: In manchen Bereichen ist sie im Vergleich zu früher extrem kurz. Deshalb müssen wir alle immer weiter lernen, und das hat sein Gutes: Lernen ist zum einen spannend und hält den Geist fit. Und zum anderen öffnen sich dadurch neue Türen, hinter denen viele Chancen warten.

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